“Wir dachten an ein kleines Dorf, das Menschen aus den verschiedenen Gemeinschaften des Landes umfasste. Dort wollten wir eine Friedensschule errichten. Denn Frieden entsteht nicht von selbst, er muss gelernt werden.”

– Bruno Hussar:  Ein Weg der Versöhnung. Juden. Christen und Moslems in  Israel -

Leben im Dorf

Mitten in einer Welt der Gewalt und des Terrors wohnen in diesem Dorf seit über 50 Jahren Juden, Muslime und Christen zusammen. Sein Name Neve Shalom – Wahat al-Salam bedeutet auf Hebräisch bzw. Arabisch „Oase des Friedens“ und steht für das Dorf des Friedens, in dem sich jüdische und palästinensisch-arabische Israelis Land, Macht, Alltag und die Dorfverwaltung teilen. Sie zeigen damit den Regierungen im Nahen Osten jeden Tag aufs Neue, dass ein friedliches Zusammenleben möglich und erstrebenswert ist.

Humanitäre Hilfe für die palästinensischen Gebiete (Westbank und Gazastreifen) wird auf freiwilliger Basis von der Dorfgemeinschaft geleistet.

Das Dorf heute

Heute ist das Dorf eine lebendige, starke Gemeinschaft von jüdisch- und palästinensisch-israelischen Familien, die nun bereits in der 3. Generation zusammenleben und zahlreiche Krisen bestanden haben. 

Gründer von Neve Shalom ∙ Wahat al-Salam

Pater Bruno Hussar (1911 – 1996) entwickelte die Vision von Neve Shalom, der Oase des Friedens, und gründete das Dorf. Den Dorfnamen fand er bei Jesaja (Kap. 32, Vers 18) im Alten Testament: „Mein Volk wird in einer Aue des Friedens leben“ (Neve Shalom).

Brunos Idee begann in den 1960er Jahren zu  keimen, doch praktische Schritte konnten erst erfolgen, nachdem er 1970 einen kahlen Hügel direkt an der Waffenstillstandslinie von 1967 vom Kloster Latrun in Erbpacht für sein Projekt erhalten hatte. Nach etlichen rauen Jahren unter überaus unwirtlichen und unbehaglichen Bedingungen kamen endlich die ersten Dauerbewohner auf den Hügel. Brunos Traum nahm sichtbar Gestalt an.

In seiner Autobiografie „Weg der Versöhnung“ beschreibt Bruno seine Vision, die In Neve Shalom – Wahat al Salam heute Wirklichkeit geworden ist:  

„Wir dachten an ein kleines Dorf, das Menschen aus den verschiedenen Gemeinschaften des Landes umfasste. Juden, Christen und Moslems würden dort in Frieden miteinander leben, ihren eigenen Glauben sowie ihren Traditionen treu bleiben und gleichzeitig diejenigen der anderen respektieren und in dieser Verschiedenheit eine Quelle der persönlichen Bereicherung finden. … Gemäß dem prophetischen Wort: Dann schmieden sie Pflugscharen aus ihren Schwertern und Winzermesser aus ihren Lanzen. Man zieht nicht mehr Schwert gegen Schwert, Volk gegen Volk, und übt nicht mehr für den Krieg“ (Jes. 2,4 und Micha 4,3) wollten wir eine Friedensschule errichten. Denn der Frieden entsteht nicht von selbst, er muss gelernt werden. 

Aus dem ganzen Land würden die Menschen kommen, um dort dem Anderen zu begegnen, mit dem Wunsch, die Mauern der Angst, des Misstrauens, des Unwissens, der Verständnislosigkeit, der Vorurteile – alles trennende Dinge – einzureißen und Brücken des Vertrauens, des Respekts, des gegenseitigen Verständnisses und der Freundschaft zu errichten. Dieses Ziel würde durch Seminare, Techniken der Gruppenpsychologie, gemeinsame körperliche Arbeit und Freizeitabende erreicht werden.“ 

(Bruno Hussar: Der Weg der Versöhnung, Topos TB 183, Mainz: Grünewaldverlag 1988, S. 114 f.)

Drei zentrale Grundsätze

Nach wie vor beruht das gemeinsame Leben in Neve Shalom – Wahat al-Salam auf drei zentralen Grundsätzen, die sich in den vergangenen über 50 Jahren als richtig und tragfähig erwiesen haben:

  • Alle Bewohner:innen und beide nationale Gruppen mit ihren Sprachen, Kulturen und Religionen sind gleichberechtigt.

  • Konflikte werden friedlich und im Dialog auf Augenhöhe gelöst.

  • Solange noch keine Lösung gefunden ist, erklären sich die Dorfbewohner:innen damit einverstanden, (noch) nicht miteinander einverstanden zu sein und suchen weiter nach Lösungen.

Seit den 1980er Jahren gibt es in der Oase des Friedens innovative Bildungseinrichtungen, die genau diesen Grundsätzen verpflichtet sind: die Grundschule, die „School for Peace“, das Spirituelle Kulturzentrum mit dem Garten der Retter, die Oasis Art Gallery.

Broschüre

Einen umfassenden Einblick in die Oase des Friedens erhalten Sie in unserer informativen und anschaulichen Kompaktdarstellung des Dorfes und seiner Bildungseinrichtungen: 

Freundinnen und Freunde von Neve Shalom ∙ Wahat al-Salam (Hg.):
Oase des Friedens. Neve Shalom ∙ Wahat al-Salam. Gemeinsam zum Frieden, 2. Aktualisierte Auflage Oktober 2023, Berlin: AphorismA, 71 S., ISBN: 978-3-86575-390-8, 8,00€.

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